Montag, 23. Juni 2014

20. Etappe: Homerun

CHIP und REISE ENGEL

Der redselige Wirt von "Black Swan" in Leyburn hatte mir nahegelegt, nicht nach Hull, sondern bis maximal Beverley zu fahren und in der schönen Kleinstadt, ca. 15-20 KM vor Hull gelegen, auf die Abfahrt der Fähre nach Rotterdam zu warten. "Hull. Kriminalität und Prostitution, Drogen und Alkohol". Nun gegen anständiges Bier hätte ich keine Einwände gehabt - auf den Rest hatte ich keine Lust.

Zum Frühstück um 8 Uhr begrüßte er mich mit "Mahlzeit". danach ließ ich es ruhig angehen. Eigentlich. Die Beine drehen in sich bei schönen warmen Wetter und angenehm kühlenden Wind wie wild. Schon um kurz nach 13 Uhr war ich in York - 70KM und in etwa Halbzeit. Die Altstadt war von Touristen überflutet - da bin ich gleich weiter gefahren. Durch Landschaften, wie wir sie von zuhause aus kennen. Immer entlang der mäßig befahrenen B1079. Der Plan war immer noch vor Hull zum stehen zu kommen. Das habe ich nicht geschafft. 

Ortseingang Hull: ein großes Hinweisschild: "Radfahrer! Notieren Sie sich die Rahmennummer Ihres Fahrrades und lassen Sie Ihr Gepäck registrieren". Keine guten Vorzeichen, hier einen ganzen Tag zu verbringen. Ich bin ohne Umweg in den Hafen zu P&O gefahren und habe gefragt, ob man mich einen Tag früher mitnehmen könnte. Für eine Umbuchungsgebühr von £37 war das der Fall. Das war mir lieben, als a) für eine Übernachtung deutlich mehr zu bezahlen und b) einen ganzen Tag mit dem Rad und Gepäck am Hacken in Hull herumzulungern.


Um 16:30 war boarding zur abfahrt um 20:30h. Ich bekam eine Innen-Doppelkabine und war zufrieden, als ich später feststellen konnte, dass ich sie für mich alleine hatte.

Am Abendbuffet war ich fünfmal - plus Käse zum Nachtisch, ohne nennenswerte Magenerweiterung :-).

Abgesehen davon, dass eine Innenkabine logischerweise über kein Fenster verfügt und daher etwas beklemmend wirkt, lag meine Kammer über der Disco, ein Deck tiefer. Erst Livemusik - später DJ. Aber irgendwie fand ich dann doch meinen Schlaf.

Sechs Uhr wach werden, 7 Uhr Frühstück - nicht am Buffet. Das war mir zu voll.

Mit zwanzig Minuten Verspätung war ich um 9:20h wieder auf dem europäischen Kontinent angekommen.


Das Gefühl: Mhh. Kein Glücksgefühl jedenfalls. Eher ein Abschied. Aber ich bin noch nicht angekommen und hoffe, dieses Gefühl hält noch sehr lange an...

Bis hier hin vielen Dank für's lesen. Ich werde in den nächsten Tagen noch die eine oder andere Betrachtung nachschieben. Bleibt dran!

Freitag, 20. Juni 2014

Hull

Ein "Ozeanriese" schwimmt im schokoladenbraunem Wasser an der "Pride of Rotterdam" vorbei.

Hull

Heute gibt es keine Fotos. Die Beine haben alles gegeben und so mit nur einem Tankstellen Stopp durch bis Hull gefahren.

Für 37 Pfund könnte ich die Fährüberfahrt auf heute umbuchen. Eine Übernachtung in dieser gruselig anmutenden Stadt wäre vermutlich teurer geworden und ich hätte morgen den ganzen Tag nicht viel sinnvolles machen können.
Den ganzen Tag mit Rad und Gepäck rumeimern ist auch nicht die Erfüllung. Und wer weiß, wie das Wetter geworden wäre.

In 15 Minuten ist Boading. Leinen los um 20:30 Uhr und Ankunft Morgen früh um 9 Uhr in Rotterdam.


Donnerstag, 19. Juni 2014

Hexham - Leyburn





19. Etappe Hexham - Leyburn

Oha. Da hat der Tourdesigner in seinem jugendlichen Übermut noch einmal alles gefordert. In den letzten Tagen habe ich das wohl geahnt. Die Berge bin ich gefühlt immer langsamer hoch gekommen und ziemlich anstrengend fand ich sie auch. Der Körper wird nach drei Wochen etwas müde und die Motivation, schnell einen Berg hochzufahren, ist auch nicht mehr so wie am erstenTag, als die Halsschlagader an die Schädeldecke klopfte.
Ich habe mich daher frühzeitg nach einer Alternativroute zu dem geplanten 135-KM-Trip umgesehen, mir aber bis Barnard Castle, bei ungefähr 60 KM offengehalten, ob ich um 20 KM reduziere. Damit wollte ich den Schlenker durch die Yorkshire Dales verkürzen.

Schon direkt in Hexham begannen die Anstiege, die mich den ganzen lieben langen Tag beschäftigen sollten. Es war bewölkt und kühl, so dass ich trotz der Anstiege am Derwent Water Resevoir die Windweste und Armlinge anzog.
Gefühlt kam ich kaum vom Fleck. Ein Blick auf den Garmin bestätigte das. Durchschnittsgeschwindigkeiten unter 16 KM/h liessen nicht Gutes erwarten. Von dem Stausee, auf dem unglaublich viele Enten schwammen, die wild durcheinander laberten, ging es nahtlos über in den Northhumberland National Parc. Von dort durch die Weardales und Teasdales. Will sagen: laaange Anstiege zwischen 5 und 10% bis auf etwas über 400 Meter ü.n.N. Das ist nicht wirklich hoch, aber das ständige auf und ab fordert die mentale Stärke und macht die Beine müde. Zwischendurch immer wieder garniert mit Anstiegen im zweistelligen Prozentbereich. Einmal musste ich tatsächlich vom Rad und schieben. Zur Belohnung war ich auf schmalen, einsamen, einspurigen Straßen alleine mit mir und der Natur. Mit den frei laufenden Schafen und dem Gezwitscher der Vögel. Die Wolken hatten sich inzwischenn rar gemacht, es wurde wämer und die Sonne gab alles, um mir einen ein Zentimeter breiten Streifen am rechten Oberarm zu verbrennen. Mit Erfolg :-) 

Barnard Castle bei 60 KM. Nun musste die Entscheidung fallen. Mir war kalt, ich hatte keine rechte Lust mehr. Ein COSTA Cafe musste herhalten, um meine Gier nach Kalorien und Wärme mit einer riesen heissen Schokolade, einer Flasche Cola und einem Panini zu befriedigen. Der Ofen begann wieder zu heizen und ich beschloss zwar abzukürzen, mir aber einen Weg abseits der Hauptstrassen zu suchen.

Fehler oder nicht. Eine Herausforderung war es allemal. Die Landschaft der Yorkshire Dales ähnelte denen der Dales zuvor und ich war dann doch froh, als ich zeitig im "Black Swan" in Leyburn eintraf. Ein Bier an der Theke, eines in der Sonne vor dem Hotel auf dem Marktplatzmund späte eines beim guten Essen. So lässt es sich aushalten.

Das England noch später 2:1 verloren hat, habe ich schon nicht mehr mitbekommen - da habe ich schon tief und fest geschlafen :-)

Leyburn ist am 5. Juli Station der Tour de France. Alles ist geachmückt und selbst am Kirchturm hängt ein gelbes Fahrrad

Mittwoch, 18. Juni 2014

18. Etappe Edinburgh - Hexham

Vor der heutigen und auch morgigen Etappe hatte bzw. habe ich noch einmal Respekt. Von Edinburgh kommend geht es zunächst in den North Humberland National Parc und morgen in die Yorkshire Dales.
Den heutigen Tag hatte ich schon letzte Woche um 20 Kilometer auf 160 entschärft. Das sind auch gut 200 Höhenmeter weniger, als ursprünglich geplant.

Furchtbar schlecht habe ich in der Hütte im Außenbezirk geschlafen, trotzdem ich mir einige Bierchen gegönnt hatte. Das Frühstück passte zu dem "Hotel". Es mache satt, aber mehr auch nicht. Um kurz nach 8 Uhr war ich dann schon im Sattel. etwas frisch, aber nicht kalt war es im Morgennebel. Heute würde ich mich fast komplett auf den GARMIN verlassen müssen, da ich den Streckenverlauf nicht in die Straßenkarte eingezeichnet hatte, die ich immer bei mir trage. Ich muss sagen: das Geräte und natürlich die Website, die ich für die Planung nutze, haben einen guten Job gemacht. Einen sehr guten. Den Berufsverkehr in Richtung Edinburgh konnte ich weitgehend auf einsamen Wirtschaftswegen umgehen. 
Später kam ich auf die A7 - die ich eigentlich umgehen wollte, weil ich vermutete, dass auch sie sehr stark befahren ist. Dem war aber nicht so. Wenig Verkehr und guter Asphalt bis Galashields.
Hier wechselte ich auf die A68 und verließ sie nicht mehr bis 13 KM vor Hexham. Eine wunderbare Straße, mit erneut wenig Verkehr durch durch Galashields und Jedburgh . Mittagspause bei Sandwich, heißer Schokolade und Cola in Jedburgh - in strahlendem Sonnenschein. Anschließend ging es in den Northhumberland  National Parc. wunderschön. Anstiege, die die zuvor zugeführte Energie rechtfertigen und wieder tolle Panoramen in einsamen Gegenden. 
Hier überschritt ich nun auch wieder die Grenze von Schottland nach England auch 400 Meter über dem Meeresspiegel. Danach eine wunderschöne, kilometerlange Abfahrt auf gutem Asphalt und verkehrsarmen Straßen.

Ein ständiges Auf und Ab war heute mein Begleiter. Steigungen, die ob in den zweistelligen Bereich gingen, aber auch schöne Abfahrten.
Die Landschaft heute: Eine Mischung aus Allgäu und teilweise Schwarzwald. Sanft geschwungene Hügel mit einigen Stichen mittendrin. 
Ca. 50 KM vor Hexham gönnte ich mir noch ein Bierchen in der prallen Sonne. "Golden Plower".  Ich habe es mir verdient. :-)

Die Unterkunft heute: Auch wieder am unteren Ende der Skala angesiedelt. aber zumindest sind die Leute freundlich. Das Essen ist kein Überflieger, aber es wird ohne Durchfallerscheinungen durchgereicht in den Verdauungstrakt.

Dem Regen und dem Gewitter bin ich heute jedenfalls entgangen.

2.795 Kilometer und 24.100 Höhenmeter haben sich bisher zusammen geläppert. Knapp 124 Stunden reine Fahrzeit habe ich dafür seit Land's End benötigt. Nur noch 300 Kilometer. Dann ist Schluss.


Edinburgh - Hexham