Freitag, 13. Juni 2014

13. Etappe John O'Groats - Tain

Erst zum zweiten Mal auf der Reise habe ich so richtig gut geschlafen. Gordon, der Herbergsvater hat alles gegeben, um und Radlern das Leben so angenehm, wie möglich zu machen. Mit mir hatten sich noch zwei andere dort eingebucht. Einer hat, wie ich, LEJOG beendet, der zweite startete gerade. Vor zwanzig Jahren hat e das bereits einmal getan, allerdings mit 20 KG weniger um den Bauch herum. Das B & B "Hamnavoe" ist gemütlich und sauber im skandinavischen Stil eingerichtet. Der Name kommt aus dem norwegischen und bedeutet so viel wie "stiller Hafen". Gordon wusch und trocknete nicht nur meine Wäsche sondern brachte mich auch zum "Seaview Hotel" zum Essen und holte mich dort wieder ab. Den einen Kollegen brachte er heute nach einen gemeinsamen, guten Frühstück in seinem kleinen, alten Corsa zum Flughafen nach Wick.

Für mich hieß es nun wieder: weiterstrampeln. Auf der A99, später A9 Richtung Adria. Zunächst war es noch angenehm warm mit 13 Grad, ab und an kamen ein paar Sonnenstrahlen durch. Der Blick nach vorne und nach rechts bestätigte die Wettervorhersage von heute früh im Fernsehen. "In Schottland wird es nass"
Kalt wurde es auf jeden Fall, aber der starke Gegenwind tat alles, damit der Körper nicht zu sehr auskühlen konnte. Wick nach 25 Kilometern,Dunbeath nach 60.

Wie ihr beim Lesen merkt, gab es heute nicht viel aufregendes zu sehen. Obwohl die nicht gerade einsame Strasse fast immer der Küste folgte. Für den heutigen Abschnitt hatte ich mir noch einige spektakuläre Ausblicke auf die Küste erwartet. Statt dessen zumeist Ackerland und Weiden, Höfe in armseelig anmutendem Zustand. Ich vermute, ein Grossteil der hier lebenden Menschen hat es schwer.

Einziger Aussichtspunkte: ein paar Ölplattformen in weiter Ferne und später Dunrobin Castle, das ganz schön aussah. Da ich zu dem Zeitpunkte aber mit mir selbst zu kämpfen hatte, bin ich ohne anzuhalten weiter gefahren.

In Berriedale hatte die ohne sehr hügelige Strasse mit vielen kürzeren 8-10% Anstiegen bzw Abfahrten eine kurzer aber sehr steile 18%-Abfahrt ein einer Haarnadelkurve, um dann ebenso Steil, aber insgesamt fast zwei Kilometer wieder in die Höhe zu gehen.

Bei aufkommendem Regen war mir nach keiner Pause zu mute. Nur kurz habe ich das am Vorabend gekaufte Sandwich mit etwas Wasser verdrückt.

Kurz danach ereilte mich der zweite Platten. Natürlich wieder hinten. Ein kantiger Stein auf dem Seitenstreifen war mir zum Verhängnis geworden. Das Vorderrad konnte ich noch vorbei bringen, das Hinterrad eben nicht. Mit dem Gewicht kann bzw. darf ich keine zu heftigen Schlenker machen, sonst küsse ich schneller den groben Asphalt, als mir lieb sein kann. Nur 17 Minuten dauerte die Reparatur diesmal. Mehr Erfahrung muss ich auf diesem Gebiet auch nicht mehr sammeln.

Auf dem letzten Drittel wurde die Landschaft wieder etwas ansehnlicher und die Strasse flacher. Die Brücke über den Dornoch Firth ist kein Bauwerk, welches man unbedingt gesehen haben muss.
Tain hingegen ist eine kleine alte Stadt, die sehr schön anzusehen ist. Direkt vor dem Ortseingang liegt eine Note von Whisky in der Luft. Sie rührt von der hier ansässigen Glenmorangie Destillery her.
Überhaupt komme ich jetzt in das Whiskyzentrum Schottlands. Die nächsten beiden Tage verbringe ich in Dufftown, der heimlichen Whiskyhauptstadt.

Zur Feier des Tages habe ich mir nach dem Abendessen in Ermangelung eines anständigen local Ales den ersten Whisky auf dies Tour zum Nachtisch bestellt.

Cheers!

Donnerstag, 12. Juni 2014

12. Etappe Crask Inn - John o'Groats


Nachdem sich der Abend doch etwas länger hingezogen hat, habe ich beim gemeinsamen Frühstück, das erneut von Muttern frisch und liebevoll zubereitet wurde, die Zähne nicht so richtig auseinander bekommen. Die vier Ale (Black Isle Ale) vom Vorabend waren äußerst lecker verlangten während der Nacht aber nach einer Kopfschmerztablette.

Dabei konnte ich feststellen, dass es bis halb eins und um vier Uhr so hell ist, dass Zeitung lesen problemlos möglich ist. Was in der Zwischenzeit los ist, versuche ich noch herauszufinden  ;-)



Nachdem Porridge und full scottish breakfast restlos platt gemacht waren, habe ich ich als erster auf den Weg gemach. Starker, sehr kühler Süd-West-Wind trieb mich dabei Richtung Norden. Eine moderate 5%-Steigung gleich zu Beginn machte mich warm für den finalen Tag. 13 Kilometer bis Altnaharra, einem Dörfchen, bestehend aus einigen Häuser, einer Kirche und einem "Hotel" hatte ich schnell erreicht. Nach den Gesprächen mit den anderen Radlern entschied ich mich, hier nicht weiter der A836 nach Tongue zu folgen, sondern auf die B873 nach Bettyhill abzubiegen. Ich muss sagen: wenn ich es nicht getan hätte, wäre das ein wirklicher Grund zum Ärgern gewesen! 40 Kilometer folgte ich der einspurigen Straße durch ein Naturschutzgebiet "Strath Naver" zunächst entlang  des Loch Naver und später an seinem Abfluss dem River Naver. 

Oft sassen Schafe auf der Straße. Nur die Jungtiere ließen sich von mir beeindrucken und rannten der Mutter hinterher, teils direkt vors Rad. Die "erfahrenen" blieben stehen oder liegen - manche beschwerten sich später blökend, falls sie sich doch erscheckt hatten. Einige Fliegenfischer gingen Ihrem Hobby nach, Ob sie erfolgreich waren?

Bettyhill - Man achte auf das "Hill" am Ende, macht seinem Namen alle Ehre. Die erste Herausforderung des Tages. 50 Kilometer standen bis jetzt auf dem Tacho. Zeit für die erste Pause in einem Café der Touristinformation des kleinen Küstenortes. Eine heisse Schokolade und, mangels anderer Auswahl, ein leckeres Stücken Schokoladenkuchen draussen im Garten.






100 Kilometer waren es noch bis JOG, einschließlich des Umweges über Dunnet Head, Englands nördlichstem Punkt. Bis dahin sollte aber noch einige Zeit ins Lands gehen - es waren noch Höhenmeter zusammeln. Immer wieder gab es schöne, Abfahrten auf gutem Asphalt, um danach direkt wieder mit bis zu 10% anzusteigen. 
Die Landschaft hier: Karg, aber irgendwie schön. So in etwa muss das "Nichts" aussehen, von dem mir die Menschen auf dem Weg hierher immer erzählt hatten. "Was willst du da - da gibt es nichts."
Zwischendurch gaben die Hügel immer wieder den Blick auf den Atlantic frei, im Hintergrund könnte ich schon die Küste der Orkney Islands sehen.
Die Landschaft wechselte erneut zu Farmland. Äcker und Wiesen beherrschten nun das Bild und gaben für das Auge wenig her.




Der Abstecher nach Dunnet Head war die Mühe und den kalten Wind wert. Schließlich waren es danach nur noch 20 Kilometer bis JOG.


1.944 Kilometer bis hier hin. Well done, "kleines Schwarzes". Ab jetzt ist "Urlaub, schließlich fahren wir in Richtung Mittelmeer.
Alles kann - nichts muss.


Mittwoch, 11. Juni 2014

Job done




11. Etappe Fort Augustus - Crask Inn

Nach einer erneut guten aber unruhigen Nacht habe ich beim Frühstück noch kurz zwei Radler getroffen, die heute Nacht ebenfalls im Crask Inn übernachten.


Loch Ness lag zum Teil im Sonnenschein, teilweise im Nebel oder tiefen Wolken. Kaum eine Welle auf dem menschenleeren See. Ich frage mich ohnehin seit Tagen, warum man keine oder kaum Segel- oder Motorboote nicht kommerzieller Art auf den Seen in England sieht. Auffällig im Gegensatz zu unseren Gegenden ist auch, dass Seen und schöne Flußufer nicht bebaut sind. Frei zugänglich sind sie aber oft auch nicht, weil Ufer und Strasse oft durch Drahtzäune getrennt sind.

Gute dreißig Kilometer folgte ich dem Loch Ness am linken Ufer bis Drumnadrochit um hier auf die A833 nach Beauly abzubiegen. Direkt nach dem Abzweig ereilte mich ein unglaublich steiler Anstieg von einer 3/4 Meile, der alles forderte. Hügelig, aber keinesfalls flach ging es durch eine veränderte Vegetation weiter nach Beauly. Anstatt sattem grün und blühenden Rhododendronbüschen herrschten jetzt karge Heidelandschaft und ebenfalls knallgelb blühende Ginster vor.

Der Strasse war gut fahrbar, aber trotzdem schrie das kleine Schwarze kur nach der Ortsausfahrt von Beauly jämmerlich um Hilfe. Platten. Hinten natürlich - wo sonst?
23 Minuten dauerte die Reparatur mit allem Ab- und wieder aufrödeln.

An Connon Bridge und Dingwall vorbei fuhr ich später ein paar Kilometer auf der hektisch befahrenen A9. Allerdings nur bis nach Alness. Der Weg führte mich ab hier über die B8176. Die 30 Kilometer durch dünn besiedeltes Gebiet bis hin nach Bonar Bridge waren ein gefühlt endloser Anstieg in wunderbarer Natur. Kurz vor der Abfahrt nach Bonar Bridge konnte ich noch tolle Ausblicke auf den unter mir liegenden Donoch Firth, der hier in die Nordsee mündet, geniesen.


In Bonar Bridge hatte ich Gelegenheit, in einem Bikeshop meinen Reifen wieder den nötigen Druck zu verpassen, was mit der Handpumpe nicht so ganz möglich ist.
Es folgten 12 kalte Meilen auf der A836 bis Lairg wo ich noch kurz eine Dose Cola nachtankte. Das war gut so, denn jetzt bekam ich auf den letzten 20 Kilometer nicht nur die tägliche kalte Dusche.
Als zusätzliches Handicap zu nachlassender Energie war das Stück auf der jetzt einspurigen A836 permanent leicht ansteigend und im Gegenwind zu fahren.

Crask besteht aus zwei Häusern. Eines davon ist das Crask Inn. Es wird von einer Familie bewirtschaftet. Wieder erwarten kamen im Laufe des Abends recht viele Gäste um entweder kurz Rast zumachen oder um ein vorgebuchtes Essen einzunehmen.




Für uns Radler wurde ein runder Tisch im Schankraum eingedeckt. Neben mir waren noch die beiden hier, die bereits im selben B & B wie ich in For Augustus waren sowie ein Pärchen, dass heute früh in John O'Groats gestartet und in der Gegenrichtung unterwegs waren. Interessanter weise kamen alle vier aus Bristol und Umgebung. Genug Gelegenheit zum fachsimpeln also, besonders auch, weil sich das Esen und trinken bis 23:30h hinzog.
Fasanensuppe, Wildgoulasch, Kartoffeln und Gemüse, Kuchen mit Vanilleeis. Alles von Muttern selbst gekocht. Der Vater kannte die Tiere beim Namen. Zumindest wusste er noch, wann er sie in die ewigen Jagdgründe befördert hat.

Am Mitwoch setze ich also zum finalen Sprung nach "JOG" an. Mit dem Umweg über Dunnet Head sind es noch gute 155 Kilometer bis dahin.

Dienstag, 10. Juni 2014

10. Etappe Inveraray - Fort Augustus

Ich war schon froh, dass ich von dem Hostel Abstand genommen und mir ein B&B gebucht habe. Schön ruhig war es, sauber, und zum Frühstück gab es ordentlich etwas auf die Gabel.
Über dem Loch Fyne hingen noch, oder schon wieder, dunkle Regenwolken. Aber an Land schien die Sonne und es war so warm, dass ich auf die Arm- und Beinlinge verzichten konnten.

Zum noch wärmer machen, gleich ein 13%-Anstieg mit einer schönen Abfahrt auf gutem Asphalt auf dem Weg nach Lochawe, der BA810. Hier war recht wenig Verkehr, was auch auf den nächsten 25 Kilometern entlang des River Awe nach Connell so blieb.
Erneut traumhafte Panoramen, gut für's Kopfkino. Gegenden noch immer wie in Schweden.

Ab Connell fuhr ich einige Meilen mit "Jim", einem älteren Rennradler und B&B Betreiber aus Oban Richtung Fort William. Später traf ich noch einen Kumpel von ihm: "Ach ja Jim, der ist ja auch schon weit über 70..."
Halbzeit war kurz hinter Appin in einem Ausflugslokal in dem es heissen Apfelkuchen und heisse Schokolade gab. Achtzehn Grad zeigte das Thermometer im windgeschützten, sonnigem Aussenbereich an. So kann es weitergehen


Je näher ich Fort William kam, desto belebter wurde die A828. Die Stadt am Fuße des Ben Nevis, Englands höchstem Berg und Wander- und Wintersportzentrum ließ ich quasi rechts liegen. Der Regen war mir jetzt dicht auf den Fersen und ich hatte noch ca 50 KM vor mir, die ich gerne trocken überstanden hätte. Dem war aber nicht so. Direkt nach der Ortsausfahrt fing es an zu tröpfeln. Viele Regentropfen ergeben irgendwann einen andauernden Regen.
So stand ich dann wieder einmal tropfnass am Eingang des B&B in Fort Augustus.
Ein kurzer Rundgang ins Dorf am Südende des Loch Nass machte mich noch einmal Nass. Zur Entschädigung gab es local Ale und lecker Fish&Chips in einem Pub an der Schleuse.

Am Dienstag geht es weiter nach Altnaharra, genauer gesagt endet die Etappe in einem Pub irgendwo in der Wildnis. Da das Lokal elektronisch nicht zu erreichen ist, gehe ich davon aus, dass es am Dienstag kein Internet und somit also keinen Blogeintrag geben wird. Keine Sorgen machen - irgendwann tauche ich wieder auf.

Ach so: Bergfest war auch noch. Schon.
10 Tagesetappen liegen noch vor mir, plus zwei Ruhetage. 1634 Kilometer liegen hinter mir. Wäre ich direkt gefahren, hätte ich LEJOG schon beendet - so muss das noch bis Mittwoch Abend warten.

Montag, 9. Juni 2014

10. Etappe Inveraray - Fort Augustus

Unglaublich ideales Fahrrad Wetter bislang





Fort William: