Donnerstag, 19. Juni 2014

Hexham - Leyburn





19. Etappe Hexham - Leyburn

Oha. Da hat der Tourdesigner in seinem jugendlichen Übermut noch einmal alles gefordert. In den letzten Tagen habe ich das wohl geahnt. Die Berge bin ich gefühlt immer langsamer hoch gekommen und ziemlich anstrengend fand ich sie auch. Der Körper wird nach drei Wochen etwas müde und die Motivation, schnell einen Berg hochzufahren, ist auch nicht mehr so wie am erstenTag, als die Halsschlagader an die Schädeldecke klopfte.
Ich habe mich daher frühzeitg nach einer Alternativroute zu dem geplanten 135-KM-Trip umgesehen, mir aber bis Barnard Castle, bei ungefähr 60 KM offengehalten, ob ich um 20 KM reduziere. Damit wollte ich den Schlenker durch die Yorkshire Dales verkürzen.

Schon direkt in Hexham begannen die Anstiege, die mich den ganzen lieben langen Tag beschäftigen sollten. Es war bewölkt und kühl, so dass ich trotz der Anstiege am Derwent Water Resevoir die Windweste und Armlinge anzog.
Gefühlt kam ich kaum vom Fleck. Ein Blick auf den Garmin bestätigte das. Durchschnittsgeschwindigkeiten unter 16 KM/h liessen nicht Gutes erwarten. Von dem Stausee, auf dem unglaublich viele Enten schwammen, die wild durcheinander laberten, ging es nahtlos über in den Northhumberland National Parc. Von dort durch die Weardales und Teasdales. Will sagen: laaange Anstiege zwischen 5 und 10% bis auf etwas über 400 Meter ü.n.N. Das ist nicht wirklich hoch, aber das ständige auf und ab fordert die mentale Stärke und macht die Beine müde. Zwischendurch immer wieder garniert mit Anstiegen im zweistelligen Prozentbereich. Einmal musste ich tatsächlich vom Rad und schieben. Zur Belohnung war ich auf schmalen, einsamen, einspurigen Straßen alleine mit mir und der Natur. Mit den frei laufenden Schafen und dem Gezwitscher der Vögel. Die Wolken hatten sich inzwischenn rar gemacht, es wurde wämer und die Sonne gab alles, um mir einen ein Zentimeter breiten Streifen am rechten Oberarm zu verbrennen. Mit Erfolg :-) 

Barnard Castle bei 60 KM. Nun musste die Entscheidung fallen. Mir war kalt, ich hatte keine rechte Lust mehr. Ein COSTA Cafe musste herhalten, um meine Gier nach Kalorien und Wärme mit einer riesen heissen Schokolade, einer Flasche Cola und einem Panini zu befriedigen. Der Ofen begann wieder zu heizen und ich beschloss zwar abzukürzen, mir aber einen Weg abseits der Hauptstrassen zu suchen.

Fehler oder nicht. Eine Herausforderung war es allemal. Die Landschaft der Yorkshire Dales ähnelte denen der Dales zuvor und ich war dann doch froh, als ich zeitig im "Black Swan" in Leyburn eintraf. Ein Bier an der Theke, eines in der Sonne vor dem Hotel auf dem Marktplatzmund späte eines beim guten Essen. So lässt es sich aushalten.

Das England noch später 2:1 verloren hat, habe ich schon nicht mehr mitbekommen - da habe ich schon tief und fest geschlafen :-)

Leyburn ist am 5. Juli Station der Tour de France. Alles ist geachmückt und selbst am Kirchturm hängt ein gelbes Fahrrad

Mittwoch, 18. Juni 2014

18. Etappe Edinburgh - Hexham

Vor der heutigen und auch morgigen Etappe hatte bzw. habe ich noch einmal Respekt. Von Edinburgh kommend geht es zunächst in den North Humberland National Parc und morgen in die Yorkshire Dales.
Den heutigen Tag hatte ich schon letzte Woche um 20 Kilometer auf 160 entschärft. Das sind auch gut 200 Höhenmeter weniger, als ursprünglich geplant.

Furchtbar schlecht habe ich in der Hütte im Außenbezirk geschlafen, trotzdem ich mir einige Bierchen gegönnt hatte. Das Frühstück passte zu dem "Hotel". Es mache satt, aber mehr auch nicht. Um kurz nach 8 Uhr war ich dann schon im Sattel. etwas frisch, aber nicht kalt war es im Morgennebel. Heute würde ich mich fast komplett auf den GARMIN verlassen müssen, da ich den Streckenverlauf nicht in die Straßenkarte eingezeichnet hatte, die ich immer bei mir trage. Ich muss sagen: das Geräte und natürlich die Website, die ich für die Planung nutze, haben einen guten Job gemacht. Einen sehr guten. Den Berufsverkehr in Richtung Edinburgh konnte ich weitgehend auf einsamen Wirtschaftswegen umgehen. 
Später kam ich auf die A7 - die ich eigentlich umgehen wollte, weil ich vermutete, dass auch sie sehr stark befahren ist. Dem war aber nicht so. Wenig Verkehr und guter Asphalt bis Galashields.
Hier wechselte ich auf die A68 und verließ sie nicht mehr bis 13 KM vor Hexham. Eine wunderbare Straße, mit erneut wenig Verkehr durch durch Galashields und Jedburgh . Mittagspause bei Sandwich, heißer Schokolade und Cola in Jedburgh - in strahlendem Sonnenschein. Anschließend ging es in den Northhumberland  National Parc. wunderschön. Anstiege, die die zuvor zugeführte Energie rechtfertigen und wieder tolle Panoramen in einsamen Gegenden. 
Hier überschritt ich nun auch wieder die Grenze von Schottland nach England auch 400 Meter über dem Meeresspiegel. Danach eine wunderschöne, kilometerlange Abfahrt auf gutem Asphalt und verkehrsarmen Straßen.

Ein ständiges Auf und Ab war heute mein Begleiter. Steigungen, die ob in den zweistelligen Bereich gingen, aber auch schöne Abfahrten.
Die Landschaft heute: Eine Mischung aus Allgäu und teilweise Schwarzwald. Sanft geschwungene Hügel mit einigen Stichen mittendrin. 
Ca. 50 KM vor Hexham gönnte ich mir noch ein Bierchen in der prallen Sonne. "Golden Plower".  Ich habe es mir verdient. :-)

Die Unterkunft heute: Auch wieder am unteren Ende der Skala angesiedelt. aber zumindest sind die Leute freundlich. Das Essen ist kein Überflieger, aber es wird ohne Durchfallerscheinungen durchgereicht in den Verdauungstrakt.

Dem Regen und dem Gewitter bin ich heute jedenfalls entgangen.

2.795 Kilometer und 24.100 Höhenmeter haben sich bisher zusammen geläppert. Knapp 124 Stunden reine Fahrzeit habe ich dafür seit Land's End benötigt. Nur noch 300 Kilometer. Dann ist Schluss.


Edinburgh - Hexham











Dienstag, 17. Juni 2014

17. Etappe Arbroath - Edinburgh

Seit langem habe ich wieder so richtig gut geschlafen, wie selten in fremden Betten. Muriel und Paul gaben alles und haben mir ein sehr reichhaltiges Frühstück mit jede Menge Kalorien für den Tag bereitet. Einschließlich selbstgemachter Marmelade.
Paul gab mir noch ein paar Tipps mit auf den Weg, wie ich die A92 in Richtung Dundee vermeiden konnte.Er war dort wohl schon länger nicht mit dem Rad unterwegs, denn der angesprochene Radweg, direkt am Strand entlang existierte noch für knapp zwei Kilometer, dann begleitete er die A92. Bei Carnoustie kam ich dann wieder an die Küste und folgte dem Weg durch gepflegte Golfplätze und Fichtenwald bis Boughton Ferry, kurz for Dundee. Hier führte ein Radweg durch schmuddelige Industriegebiete bis hin zur Tay Bridge - der Brücke über den Firth of Tay. Mit einem Lift konnten das kleine Schwarze und ich hochfahren und den Fluß sicher überqueren.
Auf der anderen Seite angekommen, folgte ich weiter dem Radwanderweg. Und verhedderte mich völlig. Das Ding folgte direkt dem Strand und war dann irgendwann selbst ein Teil dessen. Unbefestigt. Wahlweise nur Sand (=schieben), mehr oder weniger grobe Steine (=Schiet bei nicht voll aufgepumpten Reifen) oder Tannennadeln (=angenehm). Knapp 20 Kilometer Umweg habe ich mir auf dem Weg nach St. Andrews dabei eingefangen. Schön war es aber irgendwie trotzdem ein wenig. Die Sonne schien, es war mit 20 Grad der wärmste Tag des Jahres hier oben. In St. Andrews habe ich mir die Zeit genommen ein wenig durch die ungemein schöne Altstadt zu fahren und habe für zum ersten Mal auf der Reise unterwegs ein Ale gegönnt. Als Begleitung zu einer Portion Pommes. Der Motor wollte heute nicht rund laufen.

Nebenan gab es noch einen Bikeshop, wo ich endlich wieder Luft nachtanken und den richtigen Druck auf die Reifen bringen konnte.

Ihr habt es schon bemerkt: Seit Tagen gibt es wenig Aufregendes über die Landschaft zu berichten. Hier an der Ostküste Schottlands herrscht viel sattes Grün vor. Weiden, Wiesen und Felder. Ab und an gibt es Sandstrände. Wilde Steilküsten sind selten.

Zwischen St. Andrews und Kirkcaldy folgte ich der A 915 und nicht der geplanten Strecke über Nebenstraßen - und konnte so zu Lasten des Erholungswertes einige der Mehrkilometer wieder gut machen.Von Kirkaldy war ich enttäuscht. Ich hatte ein hübsches Städtchen erwartet - es war schmuddelig und hektisch.
Weiter also über A-Straßen bis zur imposanten Brücke über den Tay of Firth. Auch hier gab es einen Fuß- und Radweg über den Fluss. 
Nur noch 22 Kilometer bis zum Hotel. Ich war jetzt bereits in den Außenbezirken von Edinburgh angekommen und fuhr nun durch mal mehr, mal weniger schöne Wohngebiete. Zum Teil auf einem sehr gt ausgebauten Radweg, auf dem viele Rennradler unterwegs waren. Von Sehenswürdigkeiten oder vom Stadtzentrum bekam ich allerdings nichts zu sehen. 
Knapp 5 Kilometer vor dem Ziel gab auch Petrus noch einmal alles und ließ vom Himmel schütten, was er noch hatte. Patschnass von oben, von unten und einige Male auch satt von der Seite. Von vorbeifahrenden Autos und Bussen.

Ich habe in den letzten Tagen überlegt, ob es sinnvoll ist, in Edinburgh tatsächlich einen weiteren Ruhetag einzulegen.Das würde bedeuten, dass ich am letzten Tag noch 160 Kilometer vor mir habe. Im Grunde nicht schlimm, aber es darf dann auch nichts passieren, was das Erreichen der Fähre gefährden könnte. Als ich im Hotel eincheckte, dass nicht nur sehr weit außerhalb von Edinburgh liegt, und außerdem eine weitere Niete ist, habe ich mich für Plan B entschieden. Ich fahre also schon am Mittwoch anstatt am Donnerstag wie geplant weiter und werde dann spätestens den letzten Abschnitt so verkürzen, dass ich am Samstag nur noch ca. 80 Kilometer vor mir habe. Ich könnte dann beispielsweise im Raum York übernachten.

16. Etappe Peterhead - Arbroath

Unter dem Strich war das nicht so ganz mein Tag.
Die Unterkunft: so lala. Das Frühstück auch. Abgesehen davon, dass ich mir nicht sicher war, ob ich Tee oder Kaffee bekommen habe. Aaaber: die Sonne blinzelte in den Frühstücksraum und draußen war es nur frisch. Nicht kalt zur Abwechslung.

Als ich das kleine Schwarze aufgesattelt habe gab es gleich zwei Überraschungen. Sonne weg - und die Luft aus dem Hinterreifen auch. Das kann ja mal passieren. Schlauchwechsel direkt vor der Haustür in jetzt nur noch 15 Minuten. Das Training sollte sich noch auszahlen. Im Laufe des Tages hatte ich insgesamt vier Platten. Alle hinten. Bei genaue Betrachtung des Reifens stellte sich heraus, dass dieser nicht nur ziemlich abgefahren war, sondern auch einige Löcher aufwies. Beim letzten Wechsel habe ich ihn dann nach vorne gezogen, weil mir trotz eines Nachkaufs die heilen Schläuche ausgingen.

Die Strecke heute war wie befürchtet. Zu einem Großteil befuhr ich die A90 und die A975. Beides sind stark befahrende Hauptstraßen. Da bleibt nicht viel Zeit zu rechts und links gucken. Sonst hat man schnell einen Platten, bei dem Mist, der hier rumliegt. Wirklich unglaublich...
Aberdeen nach 50 KM und zwei Platten. Eine unangenehme Großstadt. Bloß nicht aufhalten und rasch weite nach Stonehaven. Hier wurde das Fahren dann etwas relaxter. Auf der A92 und manchmal auch auf beschaulichen Country Lanes erreichte ich irgendwie, mittlerweile im strahlenden Sonnenschein, Montrose. Vorher kaufte ich in Inverbevie noch zwei neue Schläuche. Direkt nachdem ich dort auch noch Luft aufgetankt hatte, flog mir auf dem Marktplatz der dritte um die Ohren. Mitten auf dem Marktplatz einen Schlauchwechsel. Da ist man natürlich der Horst... :-):-):-)

Mit dem vieren dauerte das nicht mehr ganz lange. Direkt vor einem Cafe. Die Leute dort kamen heraus und boten mir an, nach der Reparatur doch ihre Toilette und das Waschbecken zum waschen zu benutzen. Na ja. Der Rosinenkuchen und der Kaffee waren auch ganz gut, so draußen in der Sonne.
Ich frage mich, warum ich bei dem Mist so tiefen-entspannt geblieben bin. Normalerweise bringt mich schon eine Panne total aus der Fassung.

Saskia hatte inzwischen zwei Fahrradläden in Arborath gegoogelt, wo ich neue Reifen und Schläuche kaufen wollte. Zu dem einen bin ich auch direkt nach dem duschen in einem einem erneut tollen Bed u Breakfast gestiefelt. Drei Minuten vor Geschäftsschluss.

Nach einem ausgiebigen Essen in einem Pub im Hafen bin ich dann heim und habe beide Reifen getauscht. Somit komme ich heute auf sechs Schlauchwechsel. Es reicht...

Arbroath ist übrigens ein ganz nettes Städtchen mit Fußgängerzone und ein paar Restaurants und Kneipen am kleinen Hafen.

Fotos gibt es später. Ein paar habe ich dann doch gemacht.

Guten Morgen aus Arbroath

Wenn alles gut geht, und ich dann wieder WLAN zur Verfügung habe, gibt es den nächsten Blogeintrag heute Abend aus Edinburgh

Bis dahin