Montag, 16. Juni 2014

15. Etappe Dufftown - Peterhead

Irgendwie tat es mir schon ein wenig Leid, dass ich meine angenehme Unterkunft und den ruhigen Ort nach einem erneut ausgiebigen Frühstück schon wieder verlassen musste.

Das kleine Schwarze war gut gelaunt, die Kette schnurrte und alle Gänge ließen sich schalten, als ich auf regennassen Straße wieder nach Norden fuhr. Eigentlich ja in die falsche Richtung, aber ich wollte unbedingt wieder an die Küste und das Stück bis Fraserburgh daran entlang fahren, auch um keinen weißen Fleck auf meiner Landkarte zu haben.

Die gut 40 Kilometer hoch bis Portsoy waren sehr abwechslungsreich. In zweierlei Hinsicht. Ich folgte wieder einmal den Country Lanes, anstatt A und B-Straßen. Da war ich dann zum größten Teil alleine mit mir und der Natur – die nicht so fürchterlich aufregend war, um erwähnt zu werden. Die Ruhe zu genießen ist schon herrlich.
Abwechslung brachte das Wetter. Auf keiner anderen Etappe (bislang) habe ich so oft die Kleidung gewechselt, wie auf dieser. Buchstäblich und ohne jede Übertreibung wechselte das Wetter oft von einer Minute auf die andere. Nicht zwischen Sonnenschein und noch mehr Sonnenschein, versteht sich.
Ab Portsoy ging es tendenziell weiter nach Osten, dabei hatte ich endlich einmal wieder einen anständigen Rückenwind, der mir dabei half, die fiesen mehr oder weniger kurzen Stiche zu bewältigen.  Die B9139 und später die B9031 führten über Banff und Macduff 50 Kilometer entlang der Küste bis Fraserburgh. Ab und an gab es zwischen den Hügeln des Farmlandes schöne Ausblicke auf das Meer, die leider zumeist durch tiefhängende Regenwolken getrübt wurden. Banff und Macduff, schienen schöne Städtchen zu sein. Aufgehalten habe ich mich dort nicht. Es war einfach zu kalt. Und zu nass. Ein 20 % Anstieg war heute das Highlight, das ich ohne abzusteigen gemeistert habe :-)
Den Fischerort Fraserburgh habe ich nur durchfahren, um dann wieder den Kurs auf die Adria nach Süden zu nehmen. Jetzt wieder auf den A90 und A952 bis Mintlaw, wo ich das Bed & Breakfast gebucht hatte.

Zu meiner unangenehmen Überraschung war niemand zu Hause, als ich eintraf und auch das Telefon klingelte nur durch. Das Dorf gab indes nichts her, wo ich mich hätte aufhalten können, um die Zeit bis zur Rückkehr der Leute zu überbrücken.

Mehr oder weniger zufällig, kam Ross des Weges. Mit Ross, einem langjährigen Kollegen, wollte ich zusammen zu Abend essen. Er kam gerade von seiner Tochter  (es war Vatertag) und wollte nachhause. Er lud mein ganzes Geraffel in seinen AMAROK und wir fuhren erst einmal Kaffee trinken. Das warme Auto und der heiße Kaffee ließen dann meine Laune auch wieder ansteigen – wobei die sooo furchtbar schlecht nicht war. Als wir zurück kamen, waren auch die Leute vom B & B wieder zuhause und ich konnte duschen und meine Wäsche waschen.
Ross hat mir später dann noch Fraserburgh und etwas von der zum Teil sehr schönen Umgebung gezeigt. Im Hafen von Fraserburgh schwammen nicht nur Fischerbote sondern auch Seehunde. Für mich eine Attraktion – für Ross alltäglich. „Die sind hier immer“. Das klang für den Fischer mehr nach Plage als nach Sehenswürdigkeit.

Nach einem guten Essen  im Hotel Kilmarnock Arms in Cruden Bay sind wir dann noch ein wenig an der Küste entlang gefahren. Traumhaft!

Das Hotel hat im übrigen bereits den Autor von „Dracula“, den Iren Bram Stoker beherbergt. Bram Stoker soll bei einer Wander zur (heutigen) Ruine „New Slains Castle“ der Gedanke zu Dracula gekommen sein. Den Rest kennen wir ja alle.

Peterhead

Irre, diese Küstenlandschaft hier und das Gelabere der unzähligen Meeresvögel, die sich hier ihren Schlafplatz suchen - es war ca. 22::20 (deutsche Zeit), als diese Aufnahmen bei Cruden Bay, etwas südlich von Peterhead gelegen, entstanden







Dufftown - Peterhead

Dufftown - Peterhead

Da wird einem trotz Regen und kaltem Wind rasch warm



Dufftown - Peterhead


Guten Morgen,
ich habe kaum eine Internetverbindung. Versuche nur kurz zwei Fotos zu laden




Samstag, 14. Juni 2014

Ruhetag

Ich habe mich ja schon ein wenig auf diesen Tag gefreut und hatte mir viel vorgenommen. Viel Nichtstun...
Es kam mir ganz recht, dass Karen, die sich rührend um mich gekümmert hat, Frühstück erst ab 8:30h anbietet. Ich lebe ja so halbwegs nach deutscher Zeit und konnte somit bis 9:00 Uhr ausschlafen, nachdem ich am Abend vorher in der Stadt ausgiebig und lange zu Abend gegessen hatte. Karen hatte mich ins Dorf gefahren - das sind gute 25 Minuten Fußweg - und nebenbei meine Wäsche gewaschen, die ich heute nach dem Frühstück zurück bekam. 


Rührei, Räucherlachs, Tomaten, Pilze, Toast, Müsli, O-Saft, Kaffee...

Gut gestärkt stand ich dann schon um kurz vor 10 Uhr vor der Glenfiddich Destillery, machte ein paar Fotos und nahm an der kostenlosen Führung teil. Es gibt noch zwei weitere Führungen, dann kostenpflichtig, über 1,5 und 3 Stunden. Da sieht man dann auch den Betrieb. 

Die Low-Budget-Führung hingegen ist kurz und schmerzlos: Ein gut gemachter Film über die Entstehung bis heute. Wechsel der max. 10-Mann-Gruppe in einen anderen Raum. Verkostung der drei hergestellten Whiskys (12 / 15 / 18 Jahre gelagert) und tschüß.
Über Herstellung sieht und erfährt man nichts. Da hätte ich vielleicht doch die GBP 10 investieren sollen.




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Anschließend schlenderte ich weiter ins Dorf - für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich am Vorabend doch noch ein interessantes Geschäft übersehen hatte - und schließlich zurück zum Zimmer. Mehr als 5 Kilometer sollen es wohl gewesen und somit gönnte ich mir ein kurzes Power-Napping. Die Augenlider auf innere Verletzungen kontrollieren ;-)

Anschließend kam das kleine Schwarze zu seinem Recht. Bei (Achtung:!!!) etwas Sonnenschein stellte ich es im Garten auf die Wiese und putzte den gröbsten Dreck weg, reinigte und ölte die Kette und so weit möglich
Zahnkränze und Ritzel. Währenddessen servierte mir Karen einen selbst gebackenen warmen Blaubeer Muffin un einen Kaffee. Sie freute sich über das milde und jetzt trockene Wetter. Sprach's, verschwand im Haus und ich hatte Mühe das Rad und mein Werkzeug schnell ins Trockene zu bringen...

Bei einer Dose Bier reparierte ich für den Fall der Fälle dann noch die beiden kaputten Schläuche, nahm ein Bad in der Wanne und genehmigte mir ein weiteres Nickercken. Danach lesen, Musik hören, Bilder sortieren und sichern, die 18. Etappe etwas umplanen, weil sie mir mittlerweile als zu schwer anmutet. Na ja. dann war es auch schon Zeit für den Fußmarsch zum Abendessen im Dorf. 

Ein wenig Ruhe also für Achilles, der immer noch vor sich hin schmollt. Ich vermute, dass es der relativ hohe aber weiche Schuh ist, dessen Hacken drückt. Wenn ich mit meinen dünnen Nike's gehe, habe ich keine bzw kaum Schmerzen. Eine Woche noch. Das soll wohl passen.

Unglaublich, wie schnell so ein Tag mit Nichtstun herum geht.

Morgen geht es weiter. Zunächst etwas nach Norden an die Küste nach Banff und dann weiter über Fraserburgh nach Peterhead. Eine kurze Reise, an deren Ende ich Ross, einen Kollegen treffe, den ich seit vielen Jahren nicht gesehen habe. darauf freue ich mich schon.


Freitag, 13. Juni 2014

14. Etappe Tain - Dufftown

Ich hatte mich schon auf den letzten 100 Kilometern im Landeanflug nach John O'Groats gefragt, was und 
vor allem wie wohl meine Motivation weiterzufahren in den verbleibenden Tag sein würde. Mit der Beendigung von LEJOG ist das primäre Ziel ja eigentlich erreicht.Eigentlich. Wenn da nicht noch ca. 1500 Kilometer bis nach Hull zwischen liegen würden.


Die Motivation heute: Am Samstag ist ein Ruhe- und Rumgammeltag. Dazwischen noch gute 100 hügelige Meilen.

Bill, der B & B-Mann hatte mir empfohlen, eine kleine Passagierfähre von Nigg nach Cromarty über den Cromarty Firth zu nehmen und damit der stark befahrenen A9 zumindest für eine Weile aus dem Weg zu gehen. Den Rat habe ich gerne angenommen.

Bis zur Fähre im Schatten einer Ölraffinerie und einer Werft für Ölplattformen waren es gerade 17 Kilometer. Das kleine Schiff hatte gerade abgelegt als ich ankam, was mir eine frühe Pause von einer halben Stunde bescherte.

Ab Cromarty fuhr ich dann zügig auf einer schönen, ruhigen A832 in Richtung A9. Und in den den Regen hinein.Zum ersten Mal kam heute zusätzlich zur Regenjacke und den Überschuhen noch meine Regen-Überhose zum Einsatz. Alles zusammen hält zwar einigermaßen dicht, aber bei der Anstrengung hat man schon nach kurzer Zeit dasselbe Klima unter, wie über der Kleidung. Zumindest bleibt es erst einmal warm.

Auf der A9 habe ich wieder den Kopf zwischen die Schultern genommen, und habe mich sehr auf die Hindernisse auf der Straße konzentriert, um mir nicht noch einen weiteren Platten einzuhandeln. Kurz vor Inverness hielt ich kurz auf der Brücke über den Moray Firth um Fotos von der bleigrauen, fast glatten Nordsee zu machen, um mich von der äußeren Regenschutzschicht zu befreien. Es hatte kurzzeitig aufgehört zu regnen. An Inverness vorbei musste ich noch auf der A9 bleiben. Ein Vergnügen war das nicht. Zu viel Verkehr, Gischt vorbeifahrender LKW, Busse und PKW und zu dem ein laaaanger Anstieg, der mich ordentlich ins Schwitzen brachte.Insgesamt werden es gute 20 Kilometer überwiegend bergan gewesen sein, bis ich Gipfel des Slochd erreicht hatte.Dann endlich konnte ich bei Carrbridge in Richtung Duffton und Spey Valley abbiegen. Deutlich nasser wurde es, aber auch wieder deutlich schöner. In etwa so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zwischendurch war ich dann wieder alleine. Mit den den Schafen. Später waren auch die nicht mehr da. Ob es an meinem eigenen Geruch gelegen hat? Man weiß es nicht....












Irgendwann war dann auch der Tag beendet. Dufftown wird an fast jeder Ecke vom angenehmen Geruch der Destillen überlagert. Mein B & B liegt einen Steinwurf von Glenfiddich entfern, hinter meinem Zimmer plätschert der River Fiddich munter vor sich hin. Wochenende!