Samstag, 7. Juni 2014

7. Etappe Windermere nach Carlisle

Guten Morgen aus Carlisle!

Gestern hatte ich nur eine ganz kurze Etappe von 110 Kilometern hinter mich zu bringen. Das war ganz gut so, denn "Achilles" war überhaupt nicht gut zufrieden und hat ziemlich weh getan. Irgendwo hat sich irgendetwas an empfindlichen Stellen wund gerieben und der ständige Schweiß lässt eine der Hautabschürfungen am Handballen nicht so recht verheilen. Aber das ist eher nebensächlich.

Das Wetter gestern war genau so, wie man es in England erwartet: Blauer Himmel und praller Sonnenschein bei Temperaturen von über 20 Grad. Genau mein Wetter. Die Sonne hinterlässt auf meinem Kopf bereits Muster von den Lüftungsschlitzen des Helms...Sieht irgendwie ein bissl blöd aus.


Direkt nach dem Frühstück begann der ca 8 Kilometer lange Anstieg zum Kirkstone Pass, eines von den "must do" auf meiner Liste. Der Pass lag eigentlich nicht auf der direkten Route, aber ich hatte davon gelesen und wollte die Strecke trotz Gepäck unbedingt fahren. 

Gefühlt habe ich mehr gestanden und die Gegend angeguckt bzw. Fotos gemacht, als gefahren. Traumhaft. 
Nach 45 Minuten Fahrzeit war ich oben angekommen




Ich kann sagen: es hat sich gelohnt. Auch wenn das Würstchen von Frühstück sich dann und wann zurückmelden wollte. Das "Inn" hatte noch nicht geöffnet, also begab ich mich direkt auf die steile, wirklich steile Abfahrt hinunter nach Ambleside im Lake District. David, der B & B owner in Windermere hatte mich gewarnt. "The Struggle" (Der Kampf) ist eine sehr schmale Strasse und fällt mit 22% steil ab. Nicht in geschwungenen Serpentinen wie in den Alpen, sondern ziemlich direkt. Dauerbremsen war also angesagt - das Gepäck schiebt schon ordentlich von hinten.

Der Lake District trägt seinen Namen zweifellos zu Recht. Seen mit klarem Wasser an jeder Ecke. Auch hier gibt es wieder viel zu sehen und zu erwandern.

Von Ableside fuhr ich weiter bis Keswick, von ich im "Cafe Saddlebag" (Satteltasche) eine ausgiebige Mittagspause in der Sonne machte. Wer dort hin kommt: unbedingt empfehlenswert.


Danach wurde es mit der Schönheit eigentlich weniger. David hatte mir bereits davon abgeraten bis Maryport zu fahren - hässlich. So fuhr ich nur noch bis Cockermouth und dann 40 Kilometer auf der A595 nach Carlisle. Eine Strecke, die auch nicht empfehlenswert ist. Schlechter bis sehr schlechter Asphalt und viel Verkehr. Hier konzentrierst Du Dich mehr auf die Fahrbahn, als auf die Umgebung. Schade. 
Von Carlisle ist es jetzt nur noch ein Katzensprung von 15 Kilometern bis zur schottischen Grenze. 

Danke..

...für das positive Feedback zu meiner Reise. Sei es hier im Blog oder auch sonst per Mail oder Whatsapp.

Freitag, 6. Juni 2014



Windermere nach Keswick über den Kirkstonepass









Die letzten Tage

Ein Leben ohne Internet scheint für mich doch noch möglich zu sein. Es mag natürlich daran liegen, dass ich abends meistens so platt bin, dass es nur noch zum Duschen, Wäsche waschen und Essen reicht. Viel Verlangen nach mehr war da bislang nicht. Die B&;B's haben zwar WLAN, aber eine schlechte Verbindung.
Also müsst Ihr halt auf neue Informationen warten, falls Ihr mich nicht über den Link auf meiner Website stalkt:-)

In Builth Wells war ich so fertig, wie nie in meinem Leben. Ich habe mich gerade noch zu einem Inder geschleppt, ein Curry reingewürgt, obwohl der Magen nicht essen wollte, der Körper aber nach Nahrung schrie. Ein Bier hat auch noch gepasst, aber dann war mir schlecht.
Mittlerweile haben sich der Magen und der Rest von mir irgendwie arrangiert. Zum Frühstück full english breakfast, zwischendurch eine Cola oder heise Schokolade. Oder beides. Mittags Sandwich oder Pommes mit Cola. Nachmittags Sandwich, zwischendurch ein Schokoriegel. Eventuell ein oder zwei Energie Gels. Ein bis zwei Liter Wasser, eine Dose Red Bull. Zum Abendessen alles was geht auf die Gabel.

Vorgestern: Builth Wells nach Talsarnau. Der zweite Tag in Wales. Die Schuhe noch pitschnass. Am Tag vorher musste ich durch eine überflutete Unterführung eines Radweges fahren.
Radwander- und Nebenwege habe ich in den letzten drei Tagen gemieden. Die führen zwar durch landschaftlich reizvollere Gegenden, als die Hauptstrassen, sind aber oft in einem noch schlechteren Zustand als A und B Strassen. Steiler sind sie auch, wie die Erfahrung immer wieder zeigt.
Auch ohne Radwege war Wales Part II ausserordentlich schön. Nach 50 Km erreichte ich die Küste bei Aberystwyth. Mehr oder weniger konnte ich den Rest des Tages im Sonnenschein den geschwungenen Küstenstrassen folgen. Das B&B lag ewas abseits, aber traumhaft schön. Zum einzigen Restaurant musste ich abends noch knapp 2 KM radeln.

Den gestrigen Abschnitt hoch in den walisischen Norden und dann der Küstenlinie entlang bis Liverpool hatte ich noch als schön erwartet. Zumindest bis Flint. Ab hier hatte ich schon während der Planungsphase Industriegebiete vor Augen.
Der Tag begann mit einem 13 KM langen Umweg, weil eine Brücke wegen Bauarbeiten geschlossen war. Ab Porthmadoc verliess ich die Küste und fuhr über Caernarfon hoch nach Bangor. Relativ viel Verkehr und wenig zu sehen. Ab Bangor nahm das Chaos seinen Lauf. Ich fuhr zunächst auf der stark befahrenen A55 bis Conwy. Das kam mir alles ziemlich bedrohlich vor. Stellt Euch eine vierspurige Autobahn vor mit dem Verkehr auf der A30. Nur, dass das Standstreifen nur 1 Meter breit ist. Vorteil: Der Sog der vielen Lkw, die aus Irland über Holyhead zurück kommen, zieht Dich mit.
Von hier aus konnte ich recht lange mit kaltem, aber guten Rückenwind einem Radweg direkt am Strand folgen.Über Rhyl ging das so bis hinter Prestatyn.
Die Industriegebiete, der Lärm und Dreck begann tatsächlich im Raum Flint und sollte mich bis Donnerstag Mittag nicht mehr loslassen.
Der Weg nach Liverpool hinein war geprägt von hektischem Großstadtverkehr.
Von Birkenhead sind das kleine Schwarze und ich dann mit der Fähre über den River Mersey nach Liverpool gefahren.
Ich weiß nicht, was mich geritten hat, dieses Hotel zu buchen. Eine Absteige, die Ihren Namen nicht verdient hat. Kein Restaurant in der Nähe, kein "local beer" und zu allem Überfluss kein Frühstück am nächsten Morgen. Einziger Vorteil: In der Kammer stand eine Elektroheizung, mit der ich meine Schuhe endlich trocknen konnte.

Der 6. Tag.
Kalt, regnerisch und stürmisch. Kein Frühstück und der Garmin weigerte sich beharrlich die Strecke auszurechnen. Schon früh um acht folgte ich dann mehr der Nase Richtung Norden. Liverpool quer durch über Bootle nach Formby. Hier hatte ein TESCO Restaurant geöffnet, in dem ich mich aufwärmen und essen konnte.
Die Gegend über Southport nach Preston war platt. Vergleichbar mit Friesland. Trotzdem der Garmin mittlerweile eingelenkt hatte, habe ich mit in Preston total verfahren und einen Umweg von bestimmt 15 KM gefahren. Ich habe dann entschieden, komplett der A6 zu folgen. Das war eine gute Sache. Der Verkehr hielt sich in Grenzen und über lange Strecken gab es Fahrradspuren oder -wege.
Ab Lancaster wurden nicht nicht nur die Landschaft sondern auch die Frauen schöner :-) 
Die Regenwolken verzogen sich sich auf den letzten 30 Kilometern nach Windermere.
Mein B&B hier ist zwar alt aber sauber und warm. Der Besitzer hat eine ähnliche Tour von Nord nach Süd vor 12 Jahren gefahren, und hat noch vor dem einchecken bzw. duschen seine Unterlagen herausgekramt und mir seine Strecke erklärt.

Abendessen im Pub und die Welt ist wieder in Ordnung

Mittwoch, 4. Juni 2014

Zwischenmeldung

Guten Morgen

Anhaltend schlechter Internetempfang und schlechtes bzw. nicht verfügbares WLAN verhindern ein regelmäßiges Update an dieser Stelle.
Ich mus auch zugeben, dass mich die ersten Tage, und besonders der dritte Tag (Taunton nach Builth Wells) kräftemäßig an meine Grenzen gebracht haben und ich nicht in der Lage war, die wenige verbleibende Zeit zum Schreiben zu nutzen.
Anyway. Ich bin seit vorgestern wieder im Plan und durfte wunderbare Gegenden sehen. Panoramen und Ausblicke, die für so manche Qual entschädigt haben.
Heute Abend geht es nach Liverpool. Das soll es dann mit dem Internet etwas werden :-)

714 KM bislang / 32:45h reine Fahrzeit / 7.933 Höhenmeter und 18.400 verbrutzelte kKalorien
Unfälle: keine
Stürze:  einer
Platten: keine

Schmerzen: wenig. Nur die linke Achillessehne macht Probleme

Bis heute Abend

Montag, 2. Juni 2014

LEJOG 2. Etappe

Für den heutigen Tag hatte ich mir so richtig etwas vorgenommen. Mit Gewalt wollte ich durch den Dartmoor Nationalpark fahren.

Der Morgen begann mit einen 17% Anstieg – direkt vor der Haustür. An Aufsteigen war nicht zu denken. Trotzdem war ich dann nach 500 Meter schieben auch schon auf Betriebstemperatur.

Die Streckenführung heute bis nach Plymouth: kleine schmale Gassen, die ich mir besser erspart hätte. Landschaftlich OK, aber unheimlich Kräfte zehrend war das ständige auf und ab. Die Maximale Steigung waren 22%, die max. Neigung 24%. Fast dreieinhalb Stunden habe ich für die ersten 57 Kilometer bis zum Anfang des Parks benötigt. Wolkig war es, ab und an kam die Sonne durch. Nicht zu windig. Ein optimaler Tag. 

Nach einer kurzen Pause zum Essen fassen und Trinkflaschen auffüllen fuhr ich in den Park. Vor mehr als 20 Jahren war ich einmal hier. Kurz vor Weinachten. Trübe, kalt und neblig war es damals. Heute konnte ich die karge Vegetation und weite Landschaft sehen und genießen.
Freilaufende Pferde, Schafe und Kühe kreuzten oder standen immer wieder auf der schmalen Straße und ließen sich auch durch rasende Motorradfahrer nicht beeindrucken.

Wegen des Sonntags waren auch relativ viele Rennradler und Mountainbiker im Park unterwegs. 


Am Dartmoor Prison in Princetown gelegen habe ich einen kurzen Fotostopp eingelegt. Wer hier in dieser Umgebung eingesperrt war, wollte vermutlich gar nicht mehr fliehen :-).

50 Kilometer und etliche Höhenmeter später lag der Park schon hinter mir, und ich war wieder in der Zivilisation.  Zwischendurch war es sonnig und wärmer geworden, mittlerweile zogen von Westen dunklere Wolken hoch. Noch 120 KM…

Der Weg nach Exeter hat mir das Genick gebrochen. Der Körper bekam nicht genug Energie und der Magen wollte nicht essen – wie so oft. Ich habe mich dann entschlossen heute bereits in Taunton Schluss zu machen und die restlichen, wieder hügeligen 40 KM nach Glastonbury nicht mehr zu fahren.

Eine gute Entscheidung. Der Puls nähere sich dem Ruhepuls und mir war kalt. Bei 18 Grad.
Im B&B habe ich mich eine Stunde ins Bett gelegt, bis mir wieder warm wurde, anschließend 200 Meter weiter in ein Restaurant geschleppt.